Page 26 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Februar-Ausgabe 2025
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KONGRESSBERICHT
Risikofaktoren bei Schwangeren begünstigen Durchschnitt bei 0, 1 %, bei Frauen mit Diabetes mellitus Typ
kindliche Adipositas 1 hingegen 10fach höher bei 1-2 %. Auch bei Gestationsdia-
betes ist das IUFT-Risiko gegenüber gesunden Kontrollen
Zum Thema fetale Programmierung lieferten die Ergebnisse erhöht. Insofern ergibt sich bei diesen Frauen besonders
der am Max-Rubner-Institut durchgeführten PEACHES-Stu- häufig eine Indikation zur Geburtseinleitung. Allerdings gibt
die neue Aspekte. Die Forschungsgruppe um Prof. Regina es bisher keine Evidenz, welche Einleitungsmethode bei
Ensenauer (München) konnte nachweisen, dass eine Kombi- Adipositas zu bevorzugen ist. Eine höhere Dosierung von
nation mütterlicher Risikofaktoren während der Schwanger- Misoprostol (50µg statt 25µg alle 4h) erwies sich nicht als
schaft (Übergewicht oder Adipositas, exzessive Gewichtszu- effektiver.
nahme sowie erhöhte Nüchternblutzuckerwerte während Die Einleitungsindikation bei Verdacht auf fetale Makroso-
der Schwangerschaft) das Risiko einer kindlichen Adipositas mie war Thema eines weiteren Referats von Prof. Markus
erhöht. Diese additiven Effekte waren auch im Mausmodell Schmidt. Eingehend wies er auf die Ungenauigkeit der sono-
nachweisbar, wobei das intrauterine Milieu das Risiko einer grafischen Schätzung hin. Mehrere Arbeiten, darunter auch
Adipositasentwicklung bei den Nachkommen modulierte. eine aus Rostock, konnten zeigen, dass das erwartete
Die intrauterine Prägung ist demnach als Fundament einer Schätzgewicht den Entbindungsmodus beeinflusst. Hohe
postnatalen Vulnerabilität gegenüber einer sich entwickeln- Schätzgewichte gehen mit einer erhöhten Sectiorate einher,
den Adipositas bzw. der kardiometabolischen Morbidität zu auch wenn diese letztlich falsch positiv waren. Eine Verbes-
betrachten. Die so geprägten Kinder bedürfen einer beson- serung des kindlichen Outcomes durch eine Geburtseinlei-
ders hohen Ernährungsdisziplin, um das erhöhte Risiko zu tung ist prinzipiell nachweisbar, erfordert aber eine hohe
kompensieren. Rate an Einleitungen (NNT = 60) um beispielsweise eine Frak-
tur im Rahmen einer Schulterdystokie zu vermeiden. Ab 39
Von hoher praktischer Relevanz war die Sitzung zum Thema SSW sollte die Einleitung bei einem Schätzgewicht > 95. Ge-
Geburtseinleitung, da inzwischen jede fünfte Schwanger- wichtsperzentile angeboten werden, bei begleitendem Dia-
schaft eine Indikation zur Einleitung aufweist. Prof. Sven betes kann bereits ab 37 SSW individuell entschieden wer-
Kehl (Nürnberg) diskutierte diesbezüglich die nicht mehr den. In diesem Zusammenhang sei auf die im Oktober 2024
ganz neue, aber in Deutschland bisher eher wenig beachtete erschienene Leitlinie zur Schulterdystokie hingewiesen.
ARRIVE-Studie. Im Rahmen des experimentellen Arms der
US-amerikanischen Studie erfolgte an einem Niedrigrisiko- Prof. Frauke von Versen-Höynck (Hannover) erläuterte in der
kollektiv die Geburtseinleitung ab 39 Schwangerschaftswo- Sitzung zum Thema Präeklampsie eindrücklich die in der Re-
chen (SSW). Die Einleitung war mit einer Reduzierung der produktionsmedizin begründeten Risiken hinsichtlich hyper-
Neo-ITS-Rate sowie der neonatalen Mortalität assoziiert. In tensiver Schwangerschaftserkrankungen. Diese gehen über
den USA ist seitdem die Rate an Einleitungen gestiegen. Prof. das anamnestische Risikoprofil der sich mit unerfülltem Kin-
Sven Kehl betonte allerdings, dass das Studienkollektiv sehr derwunsch vorstellenden Frauen hinaus und werden durch
selektioniert war, da 73 % der Frauen die Studienteilnahme das Verfahren der angewendeten Methoden unmittelbar be-
abgelehnt hatten. Eine Verallgemeinerung sollte daher nicht einflusst. Drei wesentliche Faktoren sind hierbei von Bedeu-
erfolgen, so dass die Einleitung auf Wunsch ab 39 SSW zwar tung: 1. double Embryotransfer mit nachfolgender Mehr-
möglich ist, dieses Vorgehen aber bei niedrigem Risiko nicht lingsschwangerschaft 2. anovulatorische Auftauzyklen und
aktiven anzubieten sei. Prof. Tanja Groten ging auf das Prob- 3. Eizellspende.
lem der Geburtseinleitung bei Gestationsdiabetes und Adi- Das Problem der Mehrlingsschwangerschaften allerdings im
positas ein. Die Indikationsstellung zur Einleitung infolge Zusammenhang mit dem Auftreten einer Frühgeburt wurde
einer fetalen Wachstumsrestriktion (FGR) hat in den letzten auch von Prof. Johannes Stubert (Rostock) thematisiert.
Jahren deutlich zugenommen. Darüber hinaus nimmt das Fast 30 % der frühen Frühgeborenen unter 32 SSW sind
Risiko einer plazentaren Unterversorgung mit nachfolgen- Mehrlinge. Zwischen 15 und 30 % der Zwillinge sind Folge
dem intrauterinen Fruchttod (IUFT) bei Terminüberschrei- reproduktionsmedizinischer Maßnahmen. Die Mehrlingsra-
tung exponentiell zu. Die SWEPIS-Studie mit Einleitung ab ten in Deutschland nach assistierter Reproduktion liegen
41+0 SSW (vs. abwartendem Vorgehen) wurde aufgrund der zwischen 11 % (Kryozyklus) und 16,6 % (Frischzyklus) und
deutlich erhöhten IUFT-Rate in der nicht-interventionellen damit innerhalb Europas im oberen Bereich. Durch konse-
Gruppe vorzeitig abgebrochen. Das IUFT-Risiko liegt im quente Anwendung eines single embryo transfers könnte
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