Page 24 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Februar-Ausgabe 2025
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KONGRESSBERICHT



           Der 65. Kongress der DGGG in Berlin vom

           16. bis 19. Oktober 2024 – eine Reflektion


           aus geburtshilflicher Sicht






           Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress der Deutschen Ge-  te  zum  Thema  Krankenhausplanung  heraus,  dass  es  in
           sellschaft  für  Gynäkologie  und  Geburtshilfe  (DGGG)  ist  der   Deutschland im europäischen Vergleich eine sehr hohe Anzahl
           größte wissenschaftliche Kongress in der Frauenheilkunde im   geburtshilflicher Abteilungen (ca. 600) gibt. Über 100 dieser
           deutschsprachigen Raum. An der vier Tage dauernden Veran-  Kliniken haben Geburtenzahlen von unter 500 pro Jahr. Trotz
           staltung nahmen vom 16. bis 19. Oktober 2024 rund 6000 Per-  einzelner strukturschwacher Regionen würden allerdings nur
           sonen teil. Mit zeitweilig 13 parallel stattfindenden Sitzungen   2,9 % der Bevölkerung für das Erreichen einer geburtshilfli-
           bedient der Kongress alle Fachbereiche der Frauenheilkunde.   chen Klinik eine Fahrzeit von mehr als 40 min benötigen. Auch
           Beide Universitätsfrauenkliniken des Landes Mecklenburg-  eine stärkere Zentralisierung der Geburtshilfe würde an den
           Vorpommern waren bei dem diesjährigen DGGG-Kongress   erforderlichen Fahrzeiten keine wesentlichen Änderungen be-
           auch aktiv vertreten. Für Greifswald waren es Prof. Marek Zyg-  wirken. Die stationäre Geburtshilfe sei kein Bestandteil der
           munt mit einem Vorsitz zur minimal invasiven Chirurgie und   Grundversorgung. Hinsichtlich der Versorgung relevanter sei
           Dr. Zaher Alwafai mit einem Vorsitz bei der Poster-Session   der  Fachkräftemangel  sowie  ungeordnete  Kreißsaalschlie-
           „Case-Reports I“. Die Universitätsfrauenklinik Rostock präsen-  ßungen  zumeist  auf  Grundlage  wirtschaftlicher  Überlegun-
           tierte sich mit einem Vortrag zum Thema „Evidenzbasierte De-  gen.
           Eskalation bei der Axillachirurgie“ (Prof. Toralf Reimer) und   Der Strukturwandel war auch Thema einer Paneldiskussion,
           „Prävention der Frühgeburt – Wo stehen wir und was sollte un-  in dessen Rahmen  herausgestellt wurde, wie sehr sich die
           ser Ziel sein?“ (Prof. Johannes Stubert). Der Beitrag von Dr.   Probleme zwischen dicht besiedelten, städtischen und bevöl-
           Katharina Sterenczak zum Thema „Evaluierung von therapeu-  kerungsarmen, ländlich geprägten Regionen unterscheiden.
           tischen Ansätzen zur Prävention der Frühgeburt im humanen ex   Prof. Markus Schmidt stellte hier die Veränderungen im Rah-
           vivo Organmodell der Eihaut“ wurde außerdem mit dem Pos-  men des Krankenhausplanes NRW vor. Trotz geplanter
           terpreis ausgezeichnet und somit als freier Vortrag präsen-  Schwerpunktbildung wurden von 133 angemeldeten geburts-
           tiert. Weitere Posterbeiträge aus Rostock waren: „Kasuistik:   hilflichen Abteilungen 127 Standorte angenommen, so dass
           Lokal fortgeschrittener maligner Phylloidestumor der Mamma“   letztlich das Ziel einer Zentralisierung in NRW verfehlt wurde.
           (Sarah Fröhlich), „Etablierung eines ex vivo Organmodells der   Im Gegensatz hierzu ist dieser Prozess in den strukturschwä-
           humanen Eihaut“ (Yasmin Engist), „Die Lebensqualität von Ge-  cheren Regionen Ostdeutschlands bereits weit vorangeschrit-
           stationsdiabetikerinnen  –  Ergebnisse  der  Pilotierung  eines   ten. Prof. Ekkehard Schleußner (Jena) hob hervor, dass in
           krankheitsspezifischen Fragebogens GDM-QoL“ (Lisa Güldner)   Thüringen über 50 % aller Geburten in fünf Kliniken erfolgen.
           und „Neonatales Outcome bei Makrosomie und Gestationsdia-  Diese Aussage trifft auch auf Mecklenburg­Vorpommern zu. In
           betes in Abhängigkeit der Makrosomiedefinition“ (Lisa Meurer).  M-V erfolgten von den knapp 10.000 Geburten im Jahr 2023
           Nachfolgend werden ausgewählte Beiträge und Diskussionen   etwas über 5500 in den fünf größten Kliniken das Landes. Alle
           aus der Geburtshilfe vorgestellt und kommentiert.    Diskutanten waren sich darin einig, dass eine Zentralisierung
                                                                der Geburtshilfe zur Sicherstellung der Versorgungsqualität
           Die Geburtshilfe im Spiegel der Krankenhaus-         notwendig ist. Allerdings erfordert die strukturelle Anpassung
           reform                                               auch eine Förderung der Zentren sowie die Etablierung sekto-
                                                                renübergreifender Versorgungsmodelle. Prof. Holger Maul
           Auffällig war der hohe Stellenwert politisch geprägter Sitzun-  (Hamburg) skizzierte die  aus seiner Sicht  notwendige  Um-
           gen und Beiträge. Die strukturellen Entwicklungen im Ge-  strukturierung der zukünftigen Geburtshilfe, bei der verschie-
           sundheitswesen sowie die anstehenden Veränderungen im   dene Versorgungslevel unter einem Dach vereint werden. Da-
           Rahmen der Krankenhausreform wurden gleich in mehreren   durch könne jederzeit eine risikobasierte Anpassung der ge-
           Referaten thematisiert. Prof. Markus Schmidt (Duisburg) stell-  burtshilflichen Versorgung erfolgen, was auch die Sicherstel-


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