Page 4 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Januar-Ausgabe 2025
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EDITORIAL
Über Verantwortung
Aus dem Lagebericht zur Herbst-Kammerversammlung vom 23.11.2024
Aufgrund der aktuellen, vor allem bundespolitischen Konstel- Funktionieren aller Einrichtun-
lation möchte ich vermeiden, heute Dinge zu besprechen, die gen unserer Körperschaft vor-
eine sehr kurze Halbwertszeit haben – auch wenn mit dem aus. In dieser Verantwortung
KHVVG (Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz) der haben wir Geschäfts- und Per-
„letzte Wille“ des BGM (Bundesgesundheitsministerium) nun sonalstrukturen entwickelt,
verabschiedet wurde. Vielmehr ist es mir ein Anliegen gewor- eine wertschätzende und ge-
den, einen im Grundsatz wichtigen Punkt zu thematisieren, rechte Entlohnung etabliert
der sich aufgrund der vielen Gespräche, Diskussionen und und wir werden weiterhin Pro-
Entwicklungen in den letzten Wochen und Monaten als we- zesse optimieren und die Auf-
sentlich herauskristallisiert hat und trotzdem immer wieder gaben der Kammer kritisch
mal vernachlässigt wurde, obwohl er wahrscheinlich sogar bewerten. Dieses Streben
existentiell in vielerlei Hinsicht ist: Die Übernahme von Ver- nach einer guten Entwicklung
antwortung! unserer Kammer eint uns und Foto: K. Sass
wir werden Ihnen im ersten
Der soeben mit der Ehrennadel unserer Kammer ausgezeich- Halbjahr dieses Jahres als logische Konsequenz ein Leitbild
nete Kollege Henning Wiegels hat uns ein verantwortungsbe- vorstellen.
wusstes Handeln vorgelebt – vorbildhaft!
Hingegen würde es uns sicher nicht schwerfallen, das Fehlen Verantwortung für Weiterbildung!
von Verantwortung in der Politik und Gesellschaft auszuma-
chen und anzuprangern – in der Tat zeigen einige Entwicklun- Wie wird es weitergehen mit der Weiterbildung in unserem
gen und Entscheidungen ein besonderes Maß an Verantwor- Bundesland? Diese liegt mit der Erteilung von Weiterbildungs-
tungslosigkeit. befugnissen (WBB) und Durchführung von Prüfungen in unse-
rer Verantwortung als Selbstverwaltungskörperschaft. Nur,
Aber beginnen wir doch bei uns und entwickeln wir aus unse- gelingt dies überall und für alle Fachgebiete? Dazu gehört es,
rem Verantwortungsbewusstsein heraus ein Handeln, das Gestaltungsräume zu schaffen – Sektoren verbindend – hyb-
nicht nur unsere ärztliche, sondern auch berufspolitische Tä- rid – und finanziell für alle Beteiligten ausgestattet. Das ge-
tigkeit prägt. Worauf gründet sich eine solche Verantwortung, lingt nur, wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen und auch
außerhalb unseres ärztlichen Daseins aktiv zu werden? Sind unter den nun anstehenden Reformbedingungen nicht inter-
es die gleichen Grundlagen oder gehorchen wir in der Berufs- essenbezogen als Krankenhausgesellschaft oder Kassenärzt-
politik doch mehr irgendwelchen Parteien oder anderen Par- liche Vereinigung oder Politik einzeln agieren, sondern ge-
tikularinteressen? Wie sehr beeinflusst unser Dasein als Arzt meinsam an Lösungen arbeiten. Wir führen derzeit erste Ge-
auch unser ehrenamtliches und berufspolitisches Handeln – spräche und wenigstens so viel kann ich mitteilen: emotional
leben wir Verantwortung auch außerhalb des Krankenhauses ist alles dabei … Ich kann alle Interessen nachvollziehen –
oder der Praxis? Das darf Jeder für sich beantworten! aber Verantwortung bedeutet, dass man aufeinander zugeht!
Und wir werden mit Ihnen, liebe Frau Ministerin Drese, auch
Fangen hier in unserer Kammer an: über Finanzierung und Rahmenbedingungen reden müssen.
Vielleicht muss hier noch viel mehr reformiert werden.
Verantwortung für Selbstverwaltung, Frei
beruflichkeit und Ausübung unseres Berufes! Wir sind derzeit auch mit den Fachkommissionen im Ge-
spräch, Änderungsbedarfe zu identifizieren und die Weiterbil-
Die Kammerversammlung als das höchste Organ der Ärzte- dungsordnung (WBO) verantwortungsvoll und im Rahmen der
schaft in Mecklenburg-Vorpommern ist Ausdruck der Über- Bundes-MWBO (Musterweiterbildungsordnung) weiter zu ent-
nahme dieser Verantwortung. Das setzt aber ein organisches wickeln.
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