Page 8 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Januar-Ausgabe 2025
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WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG




           Hier können postoperative Probleme beurteilt werden und ggf.   nicht zuletzt von der Motivation des Patienten. Es kann nicht
           eine interventionell-endoskopische oder operative Korrektur   häufig genug betont werden, dass die präoperative Vorberei-
           empfohlen werden. Ähnlich der postoperativen Betreuung in   tung für eine Adipositas-OP immanent die Aspekte des post-
           der Antireflux-Chirurgie ist die endoskopische Expertise in der   operativen Verhaltens beinhalten muss, insbesondere die Er-
           Hand des Chirurgen von großem Vorteil.               nährungsberatung aber auch die Anpassung des Lebensstils
                                                                mit u.a. Steigerung der Mobilität. Der durch die OP angestoße-
           Umwandlungsoperationen                               ne Gewichtsverlust muss zu einer gesteigerten Bewegung füh-
                                                                ren, da die Fähigkeit, an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen
           Indikation zur Umwandlung einer Schlauchmagen-Operation   sich  automatisch  verbessern  wird.  Auch  die  psychologische
           (sog.  Sleeve-Gastrektomie) in ein Bypass-Verfahren (RYGB bzw.   Betreuung ist ein wichtiger Baustein der postoperativen Nach-
           OAGB) sind eine Verschlechterung der Refluxproblematik und/  sorge,  insbesondere  bei  Vorliegen  einer  depressiven  Grund-
           oder ein unzureichender Gewichtsverlauf nach initial adäqua-  stimmung. Kontraindikationen zur OP sind eine aktive Depres-
           tem Gewichtsverlust und konsekutiver Stagnation bzw. erneu-  sion, nichtsdestotrotz besteht bei einer Vielzahl übergewichti-
           ter  Gewichtszunahme  (sog.  weight  regain). Ein ungenügend   ger Patienten eine depressive/negative Grundstimmung. Nicht
           kontrollierter Diabetes mellitus kann ebenfalls ein Grund sein,   selten ist die Einschränkung an hochkalorischer/hochvolumiger
           dem Patienten eine Umwandlung anzubieten.            Nahrung mit einem Verlust an Lebensfreude verknüpft.
                                                                Wenn sich nach 12 Monaten eine Stagnation des Gewichtsver-
           Gastroösophagealer Reflux                            lustes  andeutet,  werden  die  Patienten  engmaschiger  einbe-
                                                                stellt, in der Regel nach 18 und 24 Monaten. Der Zeitpunkt einer
           Refluxbeschwerden sind zumeist Ausdruck einer Hiatushernie.   weiteren operativen Maßnahme darf nicht verpasst werden,
           Lag diese bereits primär bei Indikationsstellung zu einer baria-  insbesondere weil nach der aktuellen Datenlage weiterhin un-
           trischen OP vor, sollten gute Gründe gegen ein Bypass-Verfah-  klar ist, zu welchem Zeitpunkt man Patienten in dieser Situati-
           ren bestanden haben. Insbesondere ein sehr hoher BMI kann   on  optimalerweise  umwandelt.  Tatsächlich  gibt  es  in  dieser
           ein zweizeitiges Verfahren nötig machen. Für Patienten mit ei-  Konstellation bezüglich der Gewichtsentwicklung trotz einer
           nem BMI >50 (sog. super obese) ist die Sleeve-Gastrektomie als   Umwandlung auch Therapieversager.
           erster Schritt in einem zweistufigen Konzept am besten etab-
           liert. Manche Patienten können aber tatsächlich mit einer Slee-  ReDo­Operationen
           ve-Resektion einzeitig erfolgreich behandelt werden, so dass
           keine weitere OP notwendig ist.                      Bei den sogenannten ReDo-Eingriffen handelt es sich genauso
           Die Refluxbeschwerden können sich allerdings nach einer Slee-  wie bei den o.g. Umwandlungsverfahren um Revisionseingriffe,
           ve-Gastrektomie relevant verschlechtern, der gastroskopische   allerdings wird das chirurgisch primäre Verfahren beibehalten.
           Aspekt kann erheblich sein, der Nachweis einer Barrett-Meta-  Zum Einen betrifft das Revisionen nach Sleeve-Gastrektomie
           plasie zwingt dann u.U. zum Handeln. Aber auch de novo tritt in   mit Korrektur des Schlauchmagens aufgrund einer erneuten
           bis zu 30 % der Fälle nach Sleeve-Gastrektomie eine Refluxpro-  Gewichtszunahme.
           blematik aufgrund einer Hiatushernie auf, dies wird v.a. durch   Zum Anderen sind insbesondere Bypass-Verfahren relativ pro-
           die anatomische Veränderung des gastroösophagealen Über-  blemlos  korrigierbar.  Insbesondere  Dumping-Symptome,  die
           ganges (His-Winkel) bewirkt. Manche Arbeitsgruppen kombi-  infolge  einer  geweiteten  proximalen  Anastomose  (Probleme
           nieren daher eine Sleeve-Gastrektomie primär mit einer (hal-  mit dem sog.  outlet  der  Gastrojejunostomie)  auftreten  und
           ben) Fundoplicatio-Manschette.                       nicht selten mit einem weight regain vergesellschaftet sind, be-
           Bemerkung: Bei der primären Wahl des Operationsverfahren   dürfen  bei  entsprechendem  Leidensdruck  einer  operativen
           scheint es grundsätzlich nicht günstig zu sein, nur eine Metho-  Korrektur. Klinisch kann die Beschwerdelast über den Sigstad-
           de anzubieten. In einem Adipositaszentrum sollten mindestens   Score evaluiert werden. Diagnostisch sind der endoskopische
           2 Verfahren angeboten und vorgehalten werden.        Aspekt sowie ein pathologischer oraler Glucose-Toleranz-Test
                                                                indikatorisch zielführend. Neben einer endoskopischen Inter-
           Weight Regain                                        vention im Bereich der Anastomose (Verkleinerung des Outlets)
                                                                ist die operative Neuanlage der Anastomose mit Verkleinerung
           Die Gewichtsabnahme nach einer bariatrischen OP hängt maß-  des Magen-Pouches eine gute Option. Dies lässt sich meist pro-
           geblich von den begleitenden konservativen Maßnahmen ab,   blemlos minimalinvasiv durchführen. Im Rahmen dieses Ein-


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