Page 6 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Januar-Ausgabe 2025
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WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Nachsorge und Folgeoperationen nach
bariatrischer Chirurgie – Bericht aus
einem Adipositaszentrum
M. Philipp, E. Alwafai, C. Eißner, C. Schafmayer*
Prolog enten im Nachsorgeprogramm der Adipositaszentren, dies be-
trifft auch Mecklenburg-Vorpommern. Erneute Operationen
Unter dem Titel „Entwicklung der Adipositaschirurgie in nach bereits erfolgten bariatrischen und metabolischen Ein-
Deutschland“ hat die Fraktion der CDU/CSU am 22. Dezember griffen machen in einem gut aufgestellten Zentrum bis zu 20 %
2022 eine Kleine Anfrage (Drucksache 20/4826) an die Bundes- der Patienten aus. Zusätzlich kommen mit einer entsprechen-
regierung gestellt. Die Fragesteller postulieren, dass Adipositas den zeitlichen Latenz viele Patientinnen und Patienten nach
zu einer Volkskrankheit geworden ist: „Nach den Daten der adäquatem Gewichtsverlust mit erheblichen Problemen infolge
Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2019 ist in Deutschland des Hautüberschusses (sog. Cutis laxa oder Fettschürze) im Be-
jeder zweite männliche Bürger übergewichtig und etwa jeder reich des Rumpfes und der Extremitäten zur Beratung.
Fünfte fettleibig. Bei Frauen sind die Zahlen etwas niedriger.“ Be-
sonders aktuelle Daten für Kinder und Jugendliche seien be- Nachsorgeprogramm
sorgniserregend: „...jedes sechste Kind in Deutschland ist seit
Beginn der Corona-Pandemie dicker geworden, fast die Hälfte Die Betreuung übergewichtiger Patienten mit der Vorbereitung
bewegt sich weniger als zuvor, etwa ein Viertel isst mehr Süßwa- und Durchführung von operativen Eingriffen zur Gewichtsre-
ren.“ Damit wird die Frage nach der Prävention zementiert, duktion führen konsekutiv zwingend zu der Notwendigkeit der
gleichzeitig aber auch das Ungleichgewicht präventiver und postoperativen ambulanten Kontrolle im Rahmen einer struk-
chirurgischer Maßnahmen hinterfragt: „Gleichzeitig beobachten turierten Nachsorge. Dies wird in der Regel über eine speziali-
die Fragesteller eine deutliche Zunahme chirurgischer Eingriffe sierte Sprechstunde gewährleistet.
zur Gewichtsabnahme und damit zur chirurgischen Bekämpfung
einer Volkskrankheit. [...] Im Jahr 2014 berichtete das Ärzteblatt Die entsprechenden Zeiträume sind in der S3-Leitlinie „Chirur-
von jährlich knapp 10 000 solcher Eingriffe in Deutschland, im gie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ der Chir-
Jahr 2022 bereits von rund 20 000 Operationen.“ urgische Arbeitsgemeinschaft Adipositastherapie und metaboli-
Die Antwort vom 27. Dezember 2022 (Drucksache 20/5105) ist sche Chirurgie (CAADIP) der Deutschen Gesellschaft für Allge-
online unter dem Link https://dserver.bundestag.de/btd/20/051/ mein- und Viszeralchirurgie (DGAV) integriert. (Abb. 1)
2005105.pdf einsehbar und enthält wenig
Erhellendes oder Überraschendes. Politisch
fehlt es aktuell an präventiven Konzepten
für die Volkskrankheit Adipositas.
Einführung
Die Zunahme bariatrischer und metaboli-
scher Operationen aufgrund von Adipositas
und deren Begleiterkrankungen führt zu ei-
nem immer höheren Aufkommen von Pati-
Abb. 1: Postoperative Nachsorgeintervalle nach bariatrischen Eingrif-
fen. Quelle: S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer
* Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Gefäß- und Transplantations-
chirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Rostock Erkrankungen 2018
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