Page 8 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Februar-Ausgabe 2025
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WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Diskussion
TOPS – transcutanes osseointegriertes Prothesen System –
stellt eine sichere Möglichkeit für gliedmaßenamputierte Pati-
enten dar, insbesondere wenn eine konventionelle Schaftpro-
thesenversorgung nur unzureichend möglich ist (z. B. bei sehr
kurzen Reststümpfen) [3, 4]. Es konnte bereits gezeigt werden,
dass durch diese Technik sowohl die Lebensqualität als auch
die Gangsicherheit der versorgten Patienten verbessert werden
kann [5]. Genau wie die konventionelle Schaftprothesenversor-
gung ist auch das TOPSVerfahren komplikationsbehaftet (z. B.
Stomainfektionen). Jedoch lässt sich feststellen, dass gegen
Abb. 3: postoperative konventionell-radiologische Kontrolle der Endo- alle ursprünglichen Annahmen, die Infektionsraten gering sind
Exo-Prothese. Es zeigt sich ein regelgerechter Prothesensitz in beiden [6]. Es wird sogar diskutiert, ob nicht ein gewisses Keimspekt-
Ebenen mit einer festen Integration ohne Lockerungszeichen. rum (ähnlich der Besiedelung der Dermis) aufsteigende Infekti-
onen verhindert [6]. Längst ist die TOPS-Versorgung keine Ni-
Zur großen Freude der Patientin war damit erstmalig seit dem schenlösung mehr. Das Konzept hat international Anklang ge-
tragischen Geschehen in der Ukraine wieder ein aufrechter Gang funden, sodass bereits eine breite Diskussion in der internatio-
und Stand möglich (s. Abb. 4). Es folgte dann eine intensive Phase nalen Literatur über die Etablierung nationaler Programme für
der stationären Rehabiliationsbehandlung, um ein Umgehen mit TOPSVersorgungen stattfindet [7]. Darüber hinaus wird auch
der neuen Situation zu erlernen sowie die Eigenständigkeit wie- die operative Technik stetig weiterentwickelt. Jüngst hat eine
der zu erlangen. Die weitere Beratung der Patienten erfolgte so- Arbeitsgruppe aus Spanien einen vielversprechenden Evoluti-
wohl telefonisch als auch über die betreuenden Kollegen der onsschritt der Technik beschrieben, welche eine zweite Opera-
Orthopädietechnik vor Ort. Aktuell wird die Gehstrecke mit ca. 1 tion künftig gegebenenfalls überflüssig macht [8].
km angegeben. Dabei ist die Patientin schmerzfrei, aber auf Geh- Dank der seit mehreren Jahren in der Klinik für Unfall-, Hand-
hilfen angewiesen. Durch die Rehabilitation ist aber ein Abtrai- und Wiederherstellungschirurgie der Universitätsmedizin Ros-
nieren der Stützen geplant und realistisch. tock etablierten und durch Dr. Aschoff mit maßgeblicher Exper-
tise begleiteten Versorgungsmöglichkeit mit TOPS lassen sich
amputierte Patienten mit unzureichender Möglichkeit der Ver-
sorgung mit konventionellen Schaftprothesen mit diesem Ver-
fahren sicher versorgen.
Speziell bei Patienten mit nur sehr kurzen Amputationsstümpfen
stellt diese Form der osseointegrierten Verankerung eine Mög-
lichkeit der sicheren Prothesenversorgung mit Wiedererlangen
der Gehfähigkeit und der sozialen Reintegration in den Alltag dar.
Auch Frau O. wird ihren Weg in den Alltag wieder finden, nicht
zuletzt dank der liebevollen Unterstützung und täglichen Hilfe
durch ihren Ehemann.
Korrespondenzadresse:
Dr. med. Marko Saß
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und
Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Rostock
Schillingallee 35, 18057 Rostock
Tel.: +49 (0) 381 494 6094, Fax: +49 (0) 381 494 6052
www.med.uni-rostock.de
Abb. 4: Behandlungsteam von Frau O. beim ersten „Aufstellen“ der Pa-
tientin. Von links nach rechts: Dipl.-Ing. Ingo Pfefferkorn Orthopädie- Literatur:
Technik Scharpenberg GmbH, Dr. Marko Saß, Patientin Frau O. mit
Ehemann sowie Dr. Horst H. Aschoff
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