Page 15 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Januar-Ausgabe 2025
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AUS DER KAMMER
der Facharztbesetzung mit Augenmaß und Übergangszeit und vorsieht, dass Patienten auch außerhalb der Notaufnahme zu
3. Die Weiterentwicklung der Vorhaltefinanzierung und Über- jeder Tag- und Nachtzeit einen Arzt sprechen können. Bevor
gangsfinanzierung bis zum Greifen der Reform. Die Entschlie- über Reformen nachgedacht werde, müsse über die Finanzie-
ßung wurde vom Bundesrat auf den Weg gebracht. Daran ge- rung geredet werden. Dem widersprach Stefanie Drese und
bunden ist der neue Bundestag jedoch nicht. gab zu bedenken, dass nicht alles über Steuermittel finanziert
Der nächste „Elefant“ im Raum, so formulierte es die Ministerin, werden könne. Sie wehrte sich auch gegen die Behauptung,
ist die Notfallreform, die nun bewältigt werden müsse. Ärztli- dass in Mecklenburg-Vorpommern fragile Verhältnisse herr-
che Kompetenz müsse an dem Ort gebündelt werden, wo sie schen würden. Christian Klein kritisierte die Notfallreform
unverzichtbar ist, verteidigte sie den Gesetzesentwurf. Leistun- ebenso, denn der behandelnde Arzt im Notdienst sei nichts
gen müssen delegiert werden. Nur so könne in Zeiten des Fach- weiter als ein weiterer Patientenkontakt. Der Ausbau der Te-
kräftemangels die Notfallversorgung gewährleistet werden. lemedizin ist sinnvoll. Dr. Thomas Maibaum (Vorstandsmit-
Zum Thema Fachkräftemangel müsse das Bundesland attrak- glied der Ärztekammer M-V) erinnerte bei der Diskussion über
tiver für ausländische Ärzte werden. Dafür müsse es einfachere die Notfallreform daran, dass der Mensch ein biopsychosozi-
und effizientere Anerkennungsverfahren geben. Auf Bundes- ales Wesen sei und kein Auto.
ebene setze sie sich daher für Änderungen in der Bundesärzte- Dr. Mark Wiersbitzky regte wiederholt an, dass es durch at-
ordnung sowie in der Approbationsordnung ein. Kernpunkt sei traktive Konditionen und individuelle Lösungen gelingen
die Aufwertung der Kenntnisprüfung. müsse, Ärzte im Ruhestand zum Arbeiten zu animieren oder
die Bedingungen so zu gestalten, dass kurz vor der Rente ste-
Aussprache hende Kammermitglieder weiter arbeiten würden. Am ande-
ren Ende der Alterspyramide setzt die Forderung von Vor-
Bei der anschließenden Aussprache attestierte Dipl.-Med. standsmitglied Prof. Andreas Crusius ein, der sich nach wie
Angelika von Schütz, dass die Politik kein verlässlicher Part- vor für die Erhöhung der Medizinstudienplätze aussprach.
ner sei. Politiker müssten aufhören, „Patienten alles mögliche Doch dafür gibt es keine politische Mehrheit mehr in der Lan-
zu versprechen“, sagte sie in Bezug auf die Notfallreform, die desregierung. Dem Fachkräftemangel mit Hilfe ausländischer
Der Aufsichtsausschuss der Ärzteversorgung M-V v.l.: Prof. Andreas Der Verwaltungsausschuss v. l.: Dr. Katharina Viktoria Annweiler,
Crusius (Vorsitzender), Dr. Jens-Uwe Weise, Anne Machka, Dr. Dirk Dr. jur. Horst Bonvie, Dr. Liane Hauk-Westerhoff (Vorsitzende),
Rappenberg, Dr. Hans-Martin Benad (stellvertretender Vorsitzender). Robert Cholewa, Dr. Ulrike Lemke (stellvertretende Vorsitzende).
Nicht auf dem Bild: Dr. Ulrike Garling, Dr. Kerstin Skusa Nicht auf dem Bild: Dr. Wilfried Schimanke
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